Von Sense, Butterfass und Kummet

Kleinbauern in Reitzendorf

In einem über 100 Jahre altem Buch nachgeschlagen

Auszugsweise entnommen: „Aus der Heimat – Geschichten, Schilderungen und Beschreibungen von Dresden und seiner Umgebung“, Verlag Bleyl & Kaemmerer von 1907:

„Auf granitnem Untergrunde breiten sich zwischen dem Mündungsgebiete der Wesenitz und dem Loschwitzbache, der Elbe und dem Oberlaufe der Prießnitz Hochlandsflächen in durchschnittlicher Höhe von 250 bis 300 m aus, die mit dem Namen „Schönfelder Plateau“ bezeichnet werden. … Für die hier zerstreut liegenden Bauerndörfer … ist Schönfeld als einziges Kirchdorf, als Marktort und ehemaliger Sitz eines Gerichtsamtes der Mittelpunkt. … Eine quarz und glimmerhaltige, teilweise auch sandigkiesige Lehmdecke, die durch Bearbeitung sehr ertragsfähig gemacht worden ist, bedeckt den felsigen Untergrund und hat dieses Hochland zu einem der drei Ackerbaugebiete in Dresdens Umgebung gemacht …

In der Mitte des Hochlandes, ungefähr mit der Richtung der Dorfstraße verlaufend, welche Bühlau, Gönnsdorf, Cunnersdorf, Schönfeld und Reitzendorf verbindet, teilt eine Bodenanschwellung von 300 m Höhenlage den Landstrich in eine westliche und östliche Hälfte. Sie ist die Wasserscheide zwischen der Prießnitz und Wesenitz einerseits und andererseits zwischen den der Elbe zueilenden Bächen des Friedrichs-, Kepp-, Helfenberger-, Wachwitz- und Loschwitzgrundes. Diese Gründe zerlegen den westlichen Teil des Hochlandes in 5 kleinere, scharf voneinander getrennte Hochflächen; der östliche Teil dagegen bildet einen zusammenhängenden welligen Landstrich. Auf ihm liegen die Fluren vorgenannter Dörfer. …

Ein großer Teil des Hochlandes ist schon seit Jahrhunderten im Besitz der drei großen Rittergüter von Gönnsdorf, Helfenberg und Schönfeld, in deren Frondiensten ein großer Teil der ehemaligen Bevölkerung bis Anfang des vorigen Jahrhunderts (also bis Anfang des 19. Jh. Anm. d. Red.) gestanden hat. Dadurch ist die Anlage von Großbauerngütern verhindert worden, und es herrscht in einzelnen Dörfern die Kleinbauerwirtschaft vor

… Selbst die klimatischen Verhältnisse der Hochebene haben ihren Einfluss bei der Besiedlung geltend gemacht. … Doch erlaubt die mäßige Höhenlage von 300 m den Anbau sämtlicher einheimischer Getreidearten, sowie der besseren Obstsorten. Für das Gedeihen des Obstes ist das Klima günstig. Der herrschende frische Luftzug lässt die den Obstbäumen so schädliche Insektenwelt nicht allzu sehr überhandnehmen, und so sind madige Kirschen und wurmstichige Äpfel und Birnen hier nicht so häufig, wie in den geschützten Niederungen.“

Heute im Museum

Die Zeit der Rittergüter, Frondienste und Kleinbauern ist längst Vergangenheit. Damit sie jedoch nicht gänzlich in Vergessenheit gerät, erzählt das Kleinbauernmuseum Reitzendorf die Geschichte eben dieser genannten Kleinbauern die Geschichte des harten, entbehrungsund arbeitsreichen aber auch glücklichen und ausgefüllten Lebens der „kleinen“ Hochlandbewohner.

das arbeitsleben der erwachsenen fand sich schon im spielzeug der kinder wieder  - foto: die-infoseiten.deDas Museum befindet sich in einem typischen Dreiseithof aus dem 18. / beginnenden 19. Jahrhundert. Möglicherweise stammt es in seiner heutigen Form aus den Jahren um 1820, wie ein Zimmermannszeichen im Haupthaus vermuten lässt. Das ehrwürdige Gebäude steht unter Denkmalschutz. Betritt man das Grundstück, atmet man Geschichte hört noch fast das Klappern der Holzpantinen auf gescheuerten Dielenböden, das Grunzen der Schweine im Stall und das Brodeln von kochendem Wasser in der Pfanne des Kachelofens. Es scheint, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Vieles ist original erhalten hat den Anschein, als ob die Bewohner jeden Moment vom Feld nach Hause zurück kehren würden. Hier der Hausflur mit Waschkessel und Backofen, da die Stube mit Kachelund Kanonenofen. Draußen die Scheune, Schöpfbrunnen und Bauerngarten.

Das Wohnstallhaus – ein traditionelles Fachwerkhaus

… mit weiß gekalkten Wänden innen wie außen, bewohnte der Bauer mit seiner Familie. Sie lebten mit ihrem Vieh unter einem Dach. Die für heutige Verhältnisse doch recht kleinen Räume beherbergten die Stube im Erdgeschoss, gegenüber den Stall und im Obergeschoss die Schlafkammer sowie die „gute Stube“. Im ebenerdigen Eingangsbereich, zwischen Stall und Wohnküche, wurde gewaschen, geschlachtet, Futter zubereitet etc. Außerdem befindet sich hier der Backofen. Heute würde man ganz stolz von einem Multifunktionsraum sprechen.

der backofen mit vielen utensilien - foto: die-infoseiten.deDer große Kachelofen wurde vom Hausflur aus gefeuert, gleichzeitig wurde in ihm gekocht. In der Ofenpfanne befand sich stets warmes Wasser, das für den täglichen Gebrauch diente und aus dem Schöpfbrunnen mittels Eimer hereingeholt wurde. Außerdem konnte man im Ofen hervorragend Speisen warm halten. Im tonnenförmigen Kellergewölbe wurden Rüben, Kartoffeln und andere Vorräte gelagert.

Gegenüber befindet sich das sogenannte Auszugshaus. So bezeichnet man das auf dem Hof errichtete kleinere Gebäude, welches die alten Bauern nach Übergabe der Wirtschaft an die Kinder bezogen.

Noch bis 1984 bewohnten die Eigentümer den Hof. Durch die räumlichen Gegebenheiten war eine Modernisierung oder die Nutzung von moderner Technik kaum, bzw. gar nicht möglich. So blieb der Hof, wenn auch auf die Erledigung von Reparaturen acht gegeben wurde, auf dem Stand wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Durch die Einführung der LPG ging die landwirtschaftliche Nutzung des Dreiseitenhofes größtenteils verloren.

Eine Kleinbauernfamilie im Hochland

Als typische Kleinbauernfamilie bewirtschafteten sie einst ca. 2 ha Ackerund Wiesenland. Sie besaßen Hühner und Gänse, Schweine und Kühe. Die Kühe wurden auch als Zugtiere genutzt, vor Pflug und Wagen gespannt, denn die Haltung von Pferden war viel zu teuer und somit anderen vorbehalten. Die Bewirtschaftung von Land und Hof, das Herstellen von Brot, Butter, Räucherwaren, Pökelfleisch etc. diente dem Eigenbedarf.

Um das karge Einkommen der Familie aufzubessern, musste der Bauer zusätzlich in die Pillnitzer Gärtnerei arbeiten gehen was im Übrigen typisch für diese kleinen Wirtschaften war. So war es an der Bäuerin, ihren drei Töchtern und den anderen noch auf dem Hof wohnenden Familienmitgliedern, den Alltag zu meistern sowie Stall, Feld und Haus zu führen.

Bericht aus Magazin die-infoseiten.de»

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