Ausstellung im Kleinbauernmuseum

Ausstellung Glückliche Jugend

Es war 1976, als ich mit meiner Mutter Ursula die alten Familienfotos durchsah. Zu jedem Bild konnte sie mir Erinnerungen und Erlebnisse lebendig ausbreiten. In der alten Kiste war auch ein broschiertes Büchlein aus dem Jahr 1932, das Mutter nach dem Krieg, von einer Tante bekommen hatte.

Ein Dorfschullehrer, erzählt da über seine herrlichen Schüler in einer ungenannten Schule, die es so überall in jener Zeit in den 30-iger und 40-iger Jahren in Deutschland gab –  auch hier in Sachsen, im Schönfelder Hochland, der Lommatscher Pflege oder im Freiberger Land.

Das Besondere, für mich, das Einmalige aber waren die Fotos von den Jungs und Mädels, die er auf den Fotoplatten seiner Spiegelreflexer, wie er sie nannte, festhielt – nichts war gestellt nichts heimlich. Mir war damals nicht bewusst, wie stark sich mir diese Kinderbilder eingeprägt hatten.

Es vergingen 40 Jahre. Für meine jüngste Tochter, Friederike, schrieb ich eine kleine Familienchronik. Und wieder waren Bilder die Vorlagen für Erzählungen meiner Mutter.

Als sie über ihren Verlobten Werner sprach, der im April 1944 auf der Krim gefallen war, kamen mir die Bilder aus dem Büchlein in den Sinn. Die Jungen, die da „barfuß in die Schule marschierten“ und in den Dorfteich sprangen, waren nur 10 Jahre später reif für die Front.  Wer von denen den braunen Wahnsinn überlebt hat, wird man nie erfahren.

Tja, das Buch war unauffindbar und ich hatte weder den Namen des Autors noch den Buchtitel in meinem zerstreuten Gripskasten abgelegt. So versuchte ich mit allen möglichen Namenskombinationen übers Internet und in Antiquariaten eine heiße Spur zu finden – nichts – gar nichts.

„Junge! Das war so was wie – Fröhliche Kinder“ mutmaßte Mutti. Also nur zwei Worte? Ja, ja! Definitiv! Ich kombinierte wieder und wieder. Und endlich – Bingo!

„Glückliche Jugend“ von Ewald Wetzel – ich freute mich wie ein Schneekönig.

In einem Berliner Antiquariat lag noch ein Exemplar – 3 Tage später war`s meins – und besser erhalten als das verlustig gegangene Heft.

Nun – hüte ich es wie meinen Augapfel. Denn es ist ein Stück lebendige Geschichte und für mich ein Ausgangspunkt für Geschichten und Lieder aus der Zeit, als Opa oder Uropa noch  kleene Jungs waren.

Wie sagte „Matz“ Griebel so kurz und treffend: „Zukunft braucht Erinnerung!“

Also drehen wir die Zeit zurück und vergessen unser I-Phon, den Laptop, s` Internet, s` Fernsehen und all die anderen Segnungen unserer Zeit und erinnern uns an damals.

Vielleicht bekommt auch der Eine oder die Andere Lust einmal in Ruhe die alten Bilder seiner Groß- und Urgroßeltern heraus zu kramen und darüber mit Kindern und Enkeln zu sinnieren,  dann wäre ein  Ziel dieser kleinen Bilderreise in die Vergangenheit erreicht.

Dr. Michael Damme im August 2019 – Kleinbauernmuseum Reitzendorf

 

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